Spektrum
der Gewalt

Gewalt ist ein Spektrum.
Oft denken wir bei Gewalt zuerst an Schläge oder körperliche Angriffe. Doch Gewalt beginnt viel frü-her – mit Worten, Kontrolle und Angst. Viele Men-schen merken deshalb lange nicht, dass das, was sie erleben, bereits Gewalt ist. Gewalt bedeutet, dass jemand Macht über dich ausübt, dich ver-letzt, einschüchtert oder kontrolliert. Dabei gibt es verschiedene Formen von Gewalt:
Psychische und emotionale Gewalt
Beleidigungen, Demütigungen, Einschüchterung, Drohungen oder ständige Kontrolle sind Teile von Gewalt. Auch abschätzige oder sexistische Sprü-che können eine Art von Gewalt sein. Wenn du oft Angst hast, dich ständig rechtfertigen musst oder das Gefühl bekommst, „nicht gut genug“ zu sein, kann das ebenfalls psychische Gewalt sein.
Verbale Gewalt
Worte können genauso verletzen wie körperliche Angriffe. Anschreien, Beschimpfen, Erniedrigen oder respektlose Kommentare hinterlassen oft tiefe Spuren. Besonders wenn solche Aussagen regelmässig passieren, können sie dein Selbst-wertgefühl stark beeinflussen.
Körperliche Gewalt
Dazu gehören Schläge Stösse, Festhalten, Wür-gen oder jede andere Form körperlicher Verletz-ung. Auch das Bedrohen mit Gegenständen oder das absichtliche Zufügen von Schmerzen ist kör-perliche Gewalt.
Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt passiert immer dann, wenn deine Grenzen überschritten werden – körperlich oder verbal. Dazu gehören unerwünschte Be-rührungen, sexuelle Kommentare, Druck zu se-xuellen Handlungen oder das Ignorieren deiner Grenzen. Wichtig ist: Nur ein klares und freiwil-liges „Ja“ bedeutet Zustimmung. Wenn du dich unsicher fühlst, nichts sagst, Angst hast oder dich nicht traust, „Nein“ zu sagen, ist das keine Einla-dung oder Zustimmung. Und auch wenn du zuerst einverstanden warst, darfst du deine Meinung je-derzeit ändern. Sobald du dich nicht mehr wohl-fühlst oder nicht weitermachen möchtest, muss das respektiert werden. Wird diese Grenze über-schritten, ist das sexualisierte Gewalt!
Finanzielle Gewalt
Finanzielle Gewalt bedeutet, dass jemand Kont-rolle über dein Geld oder deine finanziellen Ent-scheidungen ausübt. Zum Beispiel, wenn dir Geld weggenommen wird, du keinen Zugriff auf dein eigenes Konto hast oder absichtlich finanziell ab-hängig gemacht wirst.
Soziale Gewalt
Dabei versucht jemand, dich von anderen Men-schen zu isolieren oder dein Leben zu kont-rollieren. Zum Beispiel, wenn dir Kontakte zu Freund*innen oder Familie verboten werden oder du ständig überwacht wirst.
Digitale Gewalt
Gewalt kann auch über das Handy, Internet und Socialmedia passieren. Dazu gehören das Kon-trollieren deiner Nachrichten, online Drohungen, das Veröffentlichen privater Inhalte ohne deine Zustimmung und „deepfakes“, also KI erschaffene Sexuelle Inhalte.
Gewalt muss nicht „schlimm genug“ sein, um ernst genommen zu werden oder Anspruch auf Opferhilfe zu erhalten. Wenn dich etwas verletzt, einschüchtert, kontrolliert oder dir Angst macht, dann ist dieses Gefühl wichtig und richtig. Nie-mand hat das Recht, deine Grenzen zu über-schreiten oder dich klein zu machen. Wenn du dich in manchen Punkten wieder erkennst oder unsicher bist ob du Betroffen bist, sprich mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle. Du musst damit nicht alleine bleiben.